Heute …

… verstand eine Kolumnistin nicht, wie es nur sein kann, dass es Autisten angreift, wenn sie ’sozialer Autismus‘ als abwertenden Begriff verwendet. (Um damit völlig unpassend einen Mann zu beschreiben, der in einer glücklichen Paarbeziehung lebt, statt regelmässig einen Saufen zu gehen.) Erstaunlich, dass ich dafür wütende Mails von Menschen bekomme, die glauben, ich würde… Continue reading

Karneval

Karneval, Fastnach, Fasching, Fasnacht, Fasnet steht wieder vor der Tür.

Seit ich denken kann, habe ich zu diesem Fest ein eher gespaltenes Verhältnis.

In meiner frühesten Fastnachts-Erinnerung brachte mich meine Mutter zu einem großen Fastnachtskinderfest in unserem Dorf – mit Betreuung – und ließ mich dort.
Es war die Zeit von Winnetou und Old Shatterhand. Jeder Junge und sicherlich manche Mädchen hatten Pistolen oder Gewehre mit Knallplättchen. Und alle schossen durcheinander. Ständig. Die ganze Zeit.

Ich floh nach draussen und versteckte mich hinter einem Busch. Wo mich meine Mutter bei ihrer Rückkehr dann in Tränen aufgelöst vorfand.

Heute verbieten Kindergärten und Veranstaltungen für Kinder zunehmend alle Arten von Faschingswaffen.
Weil es nicht mehr ins gewaltfreie, pädagogische Konzept passt.

Ich bin einfach 40 Jahre zu früh geboren.

Facebook-Kahlschlag unter Autisten

Gestern sperrte Facebook viele Nutzer bei denen das Unternehmen davon ausging, dass sie keinen Realnamen benutzen würden oder diese wurden unter Druck gesetzt ihren Namen durch Scan des Personalausweises zu belegen.

Darunter befanden sich sehr viele Autisten oder Angehörige von Autisten aller Altersgruppen, die bei einem Outing Nachteile in Studium oder Beruf befürchen – oder die schlicht nicht wollen, dass jeder und die Klatschbase vom Eckhaus von ihren Autismus oder dem von Angehörigen erfährt.

Das bedeutet, seit gestern sind viele niedrigschwellige Informationsangebote die in Facebook aufgebaut wurden, für diese Personen nicht mehr nutzbar und Kontakte zu anderen Autisten oder Angehörigen blockiert.

Dabei behauptete Facebook erst jüngst, es habe etwas im Zusammenhang mit Aktivismus und dem Bedarf an Anonymität begriffen. Dem war wohl nicht so.

Wirklich ganz großartig gemacht, Facebook.

P.S. Bevor nun in den Kommentaren die ‚guten Tipps‘ eintrudeln wie ’selbst schuld wenn man Facebook nutzt‘ oder warum baut ihr euch nicht $obskure_technische_Insellösung auf, reflektiert bitte die Bedeutung von „niedrigschwellig„. Danke

Comic: Clive and Leo in „Autism“

Joa, ich wurde genötigt. Also quasi. Der Coursera-Kurs „Comic Books and Graphic Novels“ ist zwar eigentlich literaturwissenschaftlich angelegt, aber die Abschlußaufgabe bestand darin, einen Micro-Comic von mindestens vier Seiten plus Cover zu zeichnen. Ursprünglich wollte ich die Ereignisse um Issy Stapleton so aufarbeiten, aber das scheiterte an meinen Plotting-Fähigkeiten. Der Comic, der es dann im… Continue reading

Über Missgunst

Gestern veröffentlichte Leo G. Fischer im Neuen Deutschland einen Artikel in dem er Autismus, Nerdtum, die Piratenpartei, Gamergate und ein paar andere Sachen durcheinanderwarf. Im Grunde ist der Artikel eine gewaltige Hassrede, nur weiß der Autor wohl selbst nicht so ganz gegen was oder wen er sich nun genau richtet. Nur auf eines besteht er: Das sich der Artikel ja gar nicht gegen ‚echte‘ Autisten richten würde, sondern nur, gegen solche die sich selbst als ‚ein bisschen Asperger‘ oder ‚ein bisschen autistisch‘ bezeichnen.

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ASAN

Eigentlich bin ich nicht der Typ für Vereine und Organisationen. Zwar bin ich Mitglied in beruflichen Netzwerken und Berufsverbänden und sogar seit Jahrzehnten inaktives Mitglied im CCC, aber gerade von Vereinen im Bereich Autismus habe ich mich bisher immer eher ferngehalten. Es eint einen ja doch nicht mehr, als eine geteilte Diagnose. Unter anderem einige… Continue reading

Berichte von der 14. Autismus Deutschland Bundestagung

Autismus Deutschland tagt aktuell in Dresden und es scheint, was das Ausmaß an ‘über Autisten reden statt mit’ sowie herablassendes Verhalten und herabsetzende Ideen angeht, schlimmer zu werden als befürchtet. Aleksander Knauerhase ist vor Ort und berichtet per Twitter. Ausserdem hat er seine Eindrücke des ersten Tages in einem Blogpost zusammengefasst.

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Stern TV unterstützt schädliche Geschäfte mit Pseudomedizin

Kürzlich brachte Stern TV – wohl zum wiederholten Male – einen Bericht über einen frühkindlichen Autisten. Ich habe den Bericht nicht selbst gesehen, aber gehört, dass es schlimm gewesen sein soll. Inklusive dem abelistisch-beschämenden Abschluß, wo dem jungen Mann ein ferngesteuertes Auto geschenkt wurde und Stern TV aller Welt klar machte, dass er, obwohl 18 Jahre alt, ein Kind ist und man erwachsene Autisten deswegen auch vor aller Welt wie Kinder behandeln darf.

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Planvoll

Wenn ich gefragt werde, was ich an anderen, nicht-autistischen, Menschen am meisten bewundere, dann ist es deren Fähigkeit zu planen.
Es ist nicht so, dass ich absolut nicht planen kann – wie es beispielsweise Autismus Deutschland in einer Pressemitteilung zu dem Taximord in Prag behauptete – aber ich kann es auch nicht gut.
Selbst die kleinste Form eines Plans, nämlich meine tägliche Todoliste, passt selten zum Tag. Egal wie oft ich versuche, sie realistisch zu gestalten.

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Scheitern

Oft, wenn über Autisten berichtet wird, erhalten Aussenstehende ein sehr merkwürdiges, weil in sich abgeschlossenes, Bild über ein autistisches Leben. Das liegt, meines Erachtens, auch daran, dass Zeitungs- oder Fernsehbeiträge sich hauptsächlich mit dem defizitären Bild von Autismus beschäftigen. Der Zuschauer oder Leser erfährt, dass Autist Marc dies und jenes nicht kann und Autistin Anja das auch nicht kann – immer mit der Konnotation, dass beide das auch nie können werden.

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The „Aspie“-Divide

Unfortunately, though, there is a tendency to divide „us“ from „them“ in our community. Many parents view „Aspies“ as something apart from their children, not something that their children could one day grow into. They assume, because we are articulate and we have learned the rules, that we have „overcome“ challenges. This is a ridiculous and dangerous assumption.
[…]
It’s dangerous because it denies adults access and it leads parents to deny that their children will one day be autonomous decision makers, guiding their adult lives with only the supports they choose and achieving goals that they set for themselves.
[…]
If you’re reading this and you just said, „but my kid won’t have those things, you just don’t understand because you haven’t seen him,“ then you’re part of the problem.
[…]
I’m not saying that your child does not have challenges, though. And I’m also not saying that your child absolutely will achieve anything. Just that the assumption has to be there that, given the right supports and tools, it will be possible. It will definitely not be possible, though, if that child is immersed in an environment that assumes that successful autistics are not them. I’m saying that supporting autistic children requires showing them Autistic adults who are saying „We Are Like Your Child“.
Michael Scott Monje Jr – Don’t „Aspie“ Me

Wie ich einmal fast Konzertpianistin wurde

Mit etwa sechs Jahren gab ich mein erstes Konzert. Es war ’nur‘ eine Veranstaltung in einem Rentnertreff meines Heimatdorfs, aber immerhin so etwas ähnliches wie Öffentlichkeit und ich spielte ein paar Stücke solo am Klavier. Für die Zuhörer dort stand meine Zukunft bereits fest und auch jeder sonst, der mich in dieser Zeit spielen hörte, sagte mir eine glänzende Karriere als Konzertpianistin voraus. Oder alternativ Klavierlehrerin.

Wie inzwischen hinlänglich bekannt ist, bin ich nichts davon geworden und der Ausgang der Geschichte war mir – im Gegensatz zu meiner Umwelt – damals auch schon klar.

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Behavior

“The obsession with behavior as the be-all-end-all of autism “science” and “treatment” is a superficial distraction and a formula for spectacular failure in addressing the underlying realities – both impairments and abilities alike – which Autistics experience and must cope with every minute of every day. The temptation to pathologize and treat behavior for its own sake is dangerously misleading and utterly beside the point. That boilerplate approach to autism HAS GOT TO GO.”
An Argument Against Pathologizing Autism – What Others Had to Say