Das Problem der „guten Nachrichten“


Sehr häufig gründen Menschen, die vor allem etwas gegen die negativen Narrative von Rechten und Rechtsextremen einen positiven Gegenpol setzen wollen, Gruppen, Foren etc., die dazu gedacht sind, »positive Nachrichten« zu verbreiten.

Sehr häufig sind viele dieser positiven Nachrichten aber nur auf den ersten Blick positiv und auf den zweiten Blick sogar schädlich, weil sie für das gute Gefühl der Mehrheit toxisches und überholtes Gedankengut bewahren.

Sehr häufig unter den »guten Nachrichten« zu finden, sind Narrative, die in den Bereich des »Inspiration Porns« gehören. Aber auch die Entwicklung von »Hilfsmitteln« für Menschen mit Behinderungen, »Disability Dongles« die ohne oder gegen deren Input entwickelt wurden, werden immer wieder auf diesem Weg verbreitet.

Was diese Art »gute Nachrichten«-Sammlungen vor allem erreichen, wenn die »guten Nachrichten« Behinderung zum Thema haben, ist, Pseudo-Helden-Narrative zu stützen und auszubauen. Wenn z. B. nicht-behinderte Menschen oder Personen, die keiner Minderheit angehören, für Menschen mit Behinderungen, Alte, Kranke, Kinder, Geflüchtete oder arme Menschen aktiv werden. Aber nicht, um diesen tatsächlich zu helfen, und sich dafür auch an deren konkreten Bedürfnissen zu orientieren, sondern um sich selbst zu profilieren oder Virtue Signaling zu betreiben.

»Gute Nachrichten«-Sammlungen bieten nicht nur deren Narrativen eine Plattform, sondern übertönen auch die Stimmen Angehöriger von Minderheiten selbst, deren Narrative für »Gute Nachrichten« zu realistisch und sehr oft einfach auch zu bitter sind.

Der Wunsch nach positiven Narrativen wird somit zu einer Waffe gegen Minderheiten, deren Narrative nicht positiv sein können, weil ihre Lebensrealität durch Ausgrenzung und Patronismus dominiert wird. »Gute Nachrichten« haben Platz für Patronismus, aber keinen Platz für Lebensrealitäten.

Durch den Fokus auf das »Gute« der Nachricht, womit sehr häufig persönlicher Einsatz oder tatsächliches oder anscheinend empathisches Verhalten Einzelner gemeint ist, fallen sehr häufig die systemimmanenten Probleme unter den Tisch, die das persönliche, ehrenamtliche Engagement überhaupt erst nötig machen.

Da die Lücken und Versäumnisse, wenn der öffentliche Fokus auf dem Thema »Menschen mit Behinderungen« liegt, nicht berichtet werden, stützen »Gute Nachrichten« exkludierende und unzureichende Systeme für Menschen mit Behinderungen.

Die Möglichkeit, öffentlichen Druck für eine Verbesserung des Systems aufzubauen, wenn dessen Fehler gerade öffentlich werden, wird durch den Fokus auf die »gute Nachricht« verpasst. Das System erhält keinen Impuls zur Veränderung. Stattdessen kann man sich weiterhin auf die Schulter klopfen und sich selbst gute Arbeit bescheinigen, und bei Versäumnissen und Lücken darauf verweisen, dass sich Menschen mit Behinderungen dann ja die Hilfe und Unterstützung wohlmeinender Freiwilliger besorgen könnten. Aus dem, in der UN BRK verbrieften Recht, wird Gutdünken, Zufall und Glück. Treffen diese drei Faktoren ein, entsteht ein neuer Anlass für eine »Gute Nachricht«. Einem behinderten Menschen wurde geholfen. Die Helfer werden gefeiert. Für MmB bleibt Abhängigkeit und ein exkludierendes System.

Sie werden objektifiziert. An ihnen als Objekt entstehen »gute Nachrichten«. Als Persönlichkeiten mit Wünschen, Hoffnungen und Zielen kommen sie nur soweit vor, wie es dem Helden-Narrativ der Helfer dient und dem Wunsch der Medienkonsumenten nach positiven Botschaften.


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