… und ein Neuanfang

Also könnte ich eigentlich die Rolläden herunterlassen und das Licht hinter mir ausmachen. Aber es geht weiter, denn:

 

  • der Begriff „Autismus“ wird in der Umgangssprache zunehmend als Synonym für allerlei schlechte Eigenschaften verwendet und diese Umdeutung fällt auf Autisten zurück.
  • Journalisten haben Autismus als neuen Lieblingsspielplatz und den Begriff als neue Lieblingsmetapher entdeckt.
  • es ist halt „irgendwas mit dem Kopf“ und deswegen wird Autisten mal unterstellt potenzielle Massenmörder zu sein und mal Autismus für eine Persönlichkeitsstörung, wie Narzissmus oder Soziopathie, gehalten.
  • viele Menschen glauben, Autisten hätten keine Emotionen.
  • über die Ursachen von Autismus kursieren die wildesten Legenden von Impfgiften, über Nahrungsmittelallergien oder Mineralstoffmangel bis hin zu Umweltgiften und Chemtrails.
  • massenhaft Scharlatane bieten Heilung für Autismus an. Sei es durch eine Behandlung mit Bleichmittel oder Freiheitsentzug.
  • aber auch die evidenzbasierte Medizin muß sich immer wieder vorwerfen lassen bei Autismus-Studien und Therapien wissenschaftliche und ethische Standards nicht einzuhalten.
  • viele Therapien erinnern mehr an Dressur und Folter. Trotz zweifelhaftem Nutzen und hohen Kosten wird kaum Kritik laut, weil bei Autismus jedes Mittel recht ist.
  • Ärzte, Therapeuten und Betreuungspersonal begegnen Autisten selten auf Augenhöhe.
  • die erste Generation ABA-therapierter Autisten erreicht das Erwachsenenalter und berichtet von schwerer Traumatisierung.
  • die äusseren, auffälligen Merkmale von Autismus werden für die einzig maßgeblichen Anzeichen gehalten. Das Erleben von Autisten selbst, spielt in Forschung, Therapie und Berichterstattung eine zu geringe Rolle.
  • einige Vereinigungen wie Autism Speaks übergehen Betroffene und verbreiten zweifelhafte Botschaften. Was sie unter Hilfe verstehen, ist selten was die Betroffenen brauchen.
  • trotz weiter fortschreitender und wissenschaftlich belastbarer Forschung bleibt AD(H)S im öffentlichen Bewusstsein eine ‚erfundenen Krankheit‘.
  • es herrscht weiterhin eine enormes Maß an Desinformation zu Ritalin und anderen bei AD(H)S eingesetzten Medikamenten.
  • für Erwachsene gibt es in Deutschland immer noch lediglich ein Medikament, dass von den Kassen bezahlt wird.
  • die Diagnose- und Therapie-Situation ist für Autisten wie auch für AD(H)Sler in Deutschland dramatisch.
  • es wird unglaublich viel Mist und Alarmismus zum Thema AD(H)S verbreitet.
  • in den Schulen fehlen oft noch Nachteilsausgleiche und sinnvolle Unterstützung.
  • immer noch hat das soziale Modell von Behinderung das, in Deutschland maßgebliche, medizinische Modell nicht abgelöst.

 

Es gibt also viel zu tun. Ich packe es an.

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4 Comments … und ein Neuanfang

  1. Ismael

    Aber das Engagement von euch BloggerInnen zeigt Wirkung. Vor gar nicht mal so langer Zeit hatte ich bestenfalls rudimentäre Vorstellungen von Autismus. Das hat sich, seit dem ich eure Blogs lese, gründlich geändert, meine ich.

    Vor allem aber habe ich einige von euch im Chat als wunderbare, liebenswerte Menschen kennengelernt. Und das ist mir das eigentlich Wichtige!

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  2. Fluss des Lebens

    Hallo,
    sehr interessant was du schreibst. Bei meiner Tochter wurde ADS diagnostiziert, wie es aussieht hat es mein Mann auch. Er lässt sich demnächst Testen. Bin gespannt was da raus kommt.
    Ich hoffe das es sich bei uns auch ins positive verändert wie bei dir 🙂
    Du zeigst stärke, weil du nicht aufgegeben hast.
    Ich schreibe auch einen Blog über das was ich so erlebt habe und erlebe.
    LG
    cecilia.oskar.blogspot.de

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  3. Mona Baltin

    Hallo, habe gerade über die Eingabe Seratlin und asperger diese Seite gefunden. Das macht mir wieder Mut. Unser Sohn ist fast 15 Jahre alt Asperger und ADS diagnostiziert. Manchmal ist die Verzweiflung, wie es weitergehen soll grenzenlos. Zur Zeit entwickelt er extreme Zwänge. Deswegen haben wir einen Termin beim Neurologen. Aber ich bin sehr unsicher ob Medikamente helfen oder eher Schaden anrichten.

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