Wie ich einmal fast Konzertpianistin wurde

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Mit etwa sechs Jahren gab ich mein erstes Konzert. Es war ’nur‘ eine Veranstaltung in einem Rentnertreff meines Heimatdorfs, aber immerhin so etwas ähnliches wie Öffentlichkeit und ich spielte ein paar Stücke solo am Klavier. Für die Zuhörer dort stand meine Zukunft bereits fest und auch jeder sonst, der mich in dieser Zeit spielen hörte, sagte mir eine glänzende Karriere als Konzertpianistin voraus. Oder alternativ Klavierlehrerin.

Wie inzwischen hinlänglich bekannt ist, bin ich nichts davon geworden und der Ausgang der Geschichte war mir – im Gegensatz zu meiner Umwelt – damals auch schon klar. Es war schwer genug gewesen, zu lernen, die rechte Hand mit der linken Hand zu koordinieren. Kompliziertere Fingerläufe brachten mich und meine Motorik an die Grenze der Lernfähigkeit. Ganz davon zu schweigen auch noch die Pedale hinzuzunehmen. Es gelang mir nicht, diese Hürde zu überspringen und in der Folge verlor ich ganz die Lust am Klavierspielen. Zustätzlich, was auch keiner wusste, nicht einmal meine Klavierlehrerin, konnte ich keine Noten lesen, sondern spielte alles nach Gehör nach. Eine Fähigkeit, die bei komplexeren Stücken irgendwann ihre natürliche Grenze findet.

Was bleibt? Ein schöner Nachmittag für einige Rentnerinnen und keine vergossene Träne für die glänzende Karriere, aus der dann doch nichts wurde.


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2 Comments Wie ich einmal fast Konzertpianistin wurde

  1. Pingback: Markierungen 07/04/2014 | Snippets

  2. Oda

    Oh, das Klavier! Nur, dass ich gern täglich stundenlang geübt habe und Klavierspielen motorisch das einzige war, bei dem ich mich sicher fühlte. Habe allerdings auch nie Notenlesen gelernt und immer nach Gehör gespielt, klappte bei mir ganz gut. Viel schlimmer war das Vorspielen: nachdem mir klar wurde, dass der Beruf darin besteht, ständig Vorzuspielen, habe ich den Unterricht sofort hingeschmissen, kurz bevor es zum Konservatorium gehen sollte – hatte zu viel Angst, dass meine Eltern mich sonst dazu gezwungen hätten, den Beruf auch wirklich zu ergreifen.
    Um dem Vorspielen zu entgehen habe ich kalt geduscht und mich dann tropfnass abends vors offene Fenster gestellt, um eine Erkältung zu bekommen (hat fast immer geklappt) oder den Autoschlüssel geschnappt und mich im Auto eingeschlossen bis es zu spät war, es zum Konzert zu schaffen. Trotzdem hielten meine Eltern an dem Berufswunsch für mich fest…Horror. Dabei spiele ich noch heute gern, dabei kann ich abschalten wie sonst kaum – und heute spiele ich nur für mich.

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