Wie ich einmal fast Konzertpianistin wurde

Mit etwa sechs Jahren gab ich mein erstes Konzert. Es war ’nur‘ eine Veranstaltung in einem Rentnertreff meines Heimatdorfs, aber immerhin so etwas ähnliches wie Öffentlichkeit und ich spielte ein paar Stücke solo am Klavier. Für die Zuhörer dort stand meine Zukunft bereits fest und auch jeder sonst, der mich in dieser Zeit spielen hörte, sagte mir eine glänzende Karriere als Konzertpianistin voraus. Oder alternativ Klavierlehrerin.

Wie inzwischen hinlänglich bekannt ist, bin ich nichts davon geworden und der Ausgang der Geschichte war mir – im Gegensatz zu meiner Umwelt – damals auch schon klar. Es war schwer genug gewesen, zu lernen, die rechte Hand mit der linken Hand zu koordinieren. Kompliziertere Fingerläufe brachten mich und meine Motorik an die Grenze der Lernfähigkeit. Ganz davon zu schweigen auch noch die Pedale hinzuzunehmen. Es gelang mir nicht, diese Hürde zu überspringen und in der Folge verlor ich ganz die Lust am Klavierspielen. Zustätzlich, was auch keiner wusste, nicht einmal meine Klavierlehrerin, konnte ich keine Noten lesen, sondern spielte alles nach Gehör nach. Eine Fähigkeit, die bei komplexeren Stücken irgendwann ihre natürliche Grenze findet.

Was bleibt? Ein schöner Nachmittag für einige Rentnerinnen und keine vergossene Träne für die glänzende Karriere, aus der dann doch nichts wurde.

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