Über Missgunst

Vorgestern veröffentlichte Leo G. Fischer im Neuen Deutschland einen Artikel in dem er Autismus, Nerdtum, die Piratenpartei, Gamergate und ein paar andere Sachen durcheinanderwarf. Im Grunde ist der Artikel eine gewaltige Hassrede, nur weiß der Autor wohl selbst nicht so ganz gegen was oder wen er sich nun genau richtet. Nur auf eines besteht er: Das sich der Artikel ja gar nicht gegen ‚echte‘ Autisten richten würde, sondern nur, gegen solche die sich selbst als ‚ein bisschen Asperger‘ oder ‚ein bisschen autistisch‘ bezeichnen.

Ich hatte erst einen sehr wütenden Artikel als Antwort darauf geschrieben, dessen Kernaussage ich immer noch für richtig halte, denn der Artikel wendet sich keinesfalls nur gegen Menschen, die ihr Arschlochdasein mit ‚ein bisschen autistisch‘ entschuldigen. Und das nicht nur, weil sich Falschinformationen, Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Autisten nicht nur zwischen den Zeilen manifestieren, sondern ganz konkret in Sätzen wie

noch weniger gegen die wirklich Gemütskranken, authentisch Autistischen.

oder[1]

Aber wo Autismus als Leitbild, als Erfolgsmodell verschachert wird, verändert sich zwingend dessen Rolle.

Ein paar nette Artikel über Auticon, SAP und andere, darüber, dass man unter Autisten nicht mehr komplett den Abfall der Gesellschaft versteht, stellen für Fischer ein ‚Erfolgsmodell‘ dar. Er blendet die weitaus größere Menge an Artikel einfach aus, in denen Autisten entweder als mitleidswürdige Deppen, wie jüngst im Print-Spiegel, oder als Gefahr, wie überall sonst, gelten. Gleich zwei Mütter in den USA, die ihre Kinder ermordeten beziehungsweise den Versuch unternahmen, nutzten jüngst die ‚unzumutbare Belastung‘ durch ein autistisches Kind als Verteidigungsstrategie. Die Strategie wurde von der Presse dankbar aufgegriffen, die Mütter erhielten viel Sympathie und bei einer lautete die Anklage deswegen nicht auf Mordversuch, sondern auf Kindesmißhandlung. Noch weiter geht der britische Autism Speaks-Ableger Autistica, der offen Euthanasie forderte.

Wo sieht Leo G. Fischer also ein „Erfolgsmodell“?

Scheinbar darin, dass ihm mal jemand bei einem Tschailatte im Vertrauen erklärt hat, er habe ja ein wenig Asperger. Oder Autismus. Oder was auch immer. So wie er es darstellt, klingt es, als wären es Dutzende gewesen. Ich weiß nicht, in welcher Welt Fischer lebt, aber ich kenne die Welt in der ich lebe.
Das ist eine Welt in der ich kaum ’normale‘ Menschen, wirklich nahe kenne. Dafür aber Menschen, deren Biographien, würde man sie niederschreiben, sogar für ein fiktionales Werk zu absurd wären. Deren Geschichte von Brüchen gezeichnet sind, von Mißhandlung, Mißbrauch, Vernachlässigung, Versagen, Selbstzweifeln, zerbrochenen Beziehungen und gescheiterten Karrieren. Ich habe keinen Grund ihren Berichten zu mißtrauen, auch wenn naturgemäß nur selten harte Beweise existieren. Aber ich sehe sie kämpfen, ich sehe sie ihre Energie in Therapien stecken, während der Werkzeugkasten der Therapeuten kaum mehr hergibt, als nötig ist dem Durchschnittsmensch durch die Mid-Life-Crisis zu helfen. Ich sehe sie fallen und aufstehen, wieder fallen und wieder aufstehen, wo andere Menschen längst einfach liegengeblieben wären.

Ein Fallen und Aufstehen, das jemand, der bereits sieben Jahre nach dem Abitur das größte deutsche Satiremagazin leitete, ziemlich wahrscheinlich so nicht kennt[2].

Ich glaube nicht an die Horden von Menschen, die sich ein Label wie Autismus, Depression, Borderline oder anderes ankleben, um damit interessant zu sein. Sehr wohl glaube ich aber an die Horden von Menschen, die verlacht, mit Allgemeinplätzen abgespeist oder abgewiesen werden, wenn sie anderen im Vertrauen von ihren Problemen erzählen. Weil ich sie kenne. Weil ich ihre Geschichten kenne, wie sich Freunde, Partner oder Familie von ihnen abgewandt haben. Weil die Vorwürfe, Vorurteile und ‚hilfreichen Ratschläge‘ immer die gleichen sind. Weil sie angeblich nur eine Entschuldigung dafür suchen, Versager zu sein.

W

eit erschreckender als der Artikel selbst, ist die Zustimmung, die er erfahren hat. Weil es gegen die Piratenpartei geht. Weil es gegen das, inzwischen schon etwas abgegriffene, Nerdklischee geht. Und weil er ausspricht, was viele denken, die das Glück haben ein Leben mit einer besseren Ausgangsposition zu führen. Weil er ihren Vorurteilen ein Ventil gibt.

In der Diskussion tauchten sofort Stimmen auf, die der Ansicht waren, natürlich müsse man jede solche Diagnose in Frage stellen und das ganz besonders, wenn sie ‚Depression‘ lauten würde oder irgendwie ‚in Mode‘ wäre. Mir wurde gesagt, wir müssten ja quasi froh über den Artikel sein, denn er würde ja die Leute anprangern, die unsere Diagnose in Verruf brächten, in dem sie sich diese unrechtmässig aneigneten[3].

Gemeinsamer Tenor dabei immer, man könne ja locker die echten von den unechten Autisten unterscheiden. Da muß ich schon sagen: Meine Glückwünsche. Andere müssen dazu jahrelang studieren und brauchen dann immer noch rund 10 Stunden für eine valide Diagnose. Aber die Gegendiagnose stellt man einfach am Kneipentisch[4]. Weil sich die Betreffenden dann ja quasi selbst zu erkennen gäben. Durch ihre Worte. Durch ihr Verhalten[5].

U

m was es hier aber eigentlich geht, ist eine Neiddebatte. Nicht um Geld oder Besitz, sondern um die angeblichen und als ungerecht empfundenen ‚Vorteile‘ die der Status „Autist“ mit sich bringt. Auch nach diesem Neid muß man nicht lange in Fischers Artikel suchen, denn so:

wirft man ihnen andernorts ganze Friedenspreise hinterher, und auch die Wirtschaft erklärt mittlerweile, in bestimmten Branchen Autisten explizit zu bevorzugen.

Wer offen mit seinen Unzulänglichkeiten umgeht, sei es nun ‚ein bisschen Autismus‘ oder seien es Depressionen oder anderes, steht sofort im Verdacht es nur wegen der gefühlten Vorteile zu tun, oder auch wegen des „sekundären Krankheitsgewinns“: Mitleid, Aufmerksamkeit und eine geringere Erwartungshaltung durch die Umwelt.

Das alleine ist für manche schon schlimm genug. Schlimmer wird es aber, wenn jene, die eine Diagnose für sich in Anspruch nehmen, auch noch Erfolg haben.

Denn dann nehmen sie die Aufgabe nicht mehr wahr, die die Gesellschaft für Krüppel und Versager vorgesehen hat. Der Rolle als schlechtes Beispiel. Der Rolle als ‚Inspiration‚. Der Rolle als mitleidswürdiges Wesen, dem man sich widmet um sich selbst besser zu fühlen. Das größte Verbrechen des ‚Kaputten‘ besteht darin nicht erwartungsgerecht zu leiden.

Schlaue Außenseiter und sozial inkompetente Inselbegabungen werden nicht mehr geschasst, sondern gefeiert: Im Fernsehen als leicht verschrobene, aber weithin leidensfreie Erfolgsmenschen porträtiert.

D

er Neid, die Mißgunst und Furcht der Normalen, für die Fischers Artikel stellvertretend steht, taucht nicht von ungefähr gerade jetzt auf. Auch dieser Artikel kann und sollte in Verbindung mit all den anderen Anti-Inklusions-Artikeln gelesen werden, die in den letzten Monaten das Feuilleton überschwemmten.

Es geht Fischer vielleicht um die Nerds, vielleicht um die Piratenpartei, vielleicht um Gamergate … aber es geht vor allem um die Aussenseiter, die ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft erobern und dabei nicht gefälligst zu verbergen suchen, dass sie anders sind. Aussenseiter, die „nicht mehr geschasst, sondern gefeiert“ werden.

Wenn diese nicht abgedrängt sondern sichtbar sind, wenn sie ihren Beitrag leisten und am Ende auch noch Erfolg haben, dann werten sie die Erfolge der Anderen ab. Was ist deren Summa Cum Laude noch wert, wenn der stotternde Legastheniker mit Aufmerksamkeitsschwäche es ebenfalls in der Hand hält und jeder weiß, dass der dreimal so hart arbeiten musste? Was ist die steile Karriere wert, wenn der autistische Nerd in der gleichen Zeit das eigene Unternehmen aufzieht?

Jeder Nachteilsausgleich wird als Vorteil gewertet, jede Offenheit als Vorteilsnahme, ‚wichtig machen‘ oder Eigenlob. Wo die eigenen Pfründe verteidigt werden, macht man keine Gefangenen.

Auch in linken Blogs und linken Zeitungen, wo selbst der kleinste Anschein von Rassismus, Klassismus oder Frauenfeindlichkeit in der Luft zerrissen wird, ist Behindertenfeindlichkeit, sowohl offen als auch verdeckt, oft problemlos möglich und wird auch von Kommentatoren goutiert.

Offene und verdeckte Behindertenfeindlichkeit, für die Fischers Artikel hier stellvertretend steht, unterscheidet im Endeffekt nichts von den anderen Ismen und auch nicht von Gamergate:

Marginalisierte Gruppen suchen ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft. Das Establishment schlägt zurück. Der Norm-Zustand der Ausgrenzung soll wieder hergestellt, wie das Einfordern von Rechten und Hilfen stigmatisiert und so unterbunden werden.

J

edesmal, wenn sich ein Mensch selbst tötet, weil er einfach keinen Ausweg für sich gesehen hat, kommen die Fragen, warum man es nicht hatte verhindern können. Die Antwort lautet: Weil alle, die es hätten verhindern können, so lange an ein Fake glaubten bis das Gegenteil bewiesen war.

Artikel wie der von Leo G. Fischer erreichen nur eines: Dass die Menschen, die Hilfe und Unterstützung bräuchten, die einen Verdacht in sich tragen wo ihre Probleme herstammen, verstummen. Dass jene, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben, ebenfalls verstummen und nicht als Rollenmodel für die dienen können, denen der Weg noch bevor steht.

Die Furcht des Spiessers jemand anderes könne es am Ende leichter haben als er: Die kann weg.

 

Footnotes    (↵ returns to text)
  1. Autismus ist keine „Gemütskrankheit“. Setzen, sechs.
  2. Hier bewege ich mich auf glattem Eis, denn natürlich kann es ganz anders sein. Man sieht den meisten Menschen ihre Historie nun mal nicht an und möglicherweise ist Fischer ja ein Fighter vor dem Herrn. Alleine, nach seinem Artikel glaube ich es nicht.
  3. Mal ernsthaft: Wer so argumentiert, der argumentiert auch, dass ja die autostehlenden Polen für den Ruf von Polen als Autodiebe verantwortlich sind und der nicht schlicht Ausdruck seines Rassismus ist.
  4. „Ich habe Rain Man gesehen. Ich bin Experte.“
  5. Info am Rande: Inzwischen sind sich einige Forscher sicher, dass es nicht lediglich die Autisten sind, die ‚Schuld‘ daran haben, dass die Kommunikation zwischen Autisten und Nicht-Autisten schief geht, sondern dass Nicht-Autisten Körpersprache und Mimik von Autisten ebenso schlecht und fehlerbehaftet lesen können, wie umgekehrt.


Source : Mein “Zauberberg”, meine Beethoven-Sammlung, mein Asperger-Autismus

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39 Comments Über Missgunst

  1. Pterry

    <3 für "Ich habe Rain Man gesehen, ich bin Experte." und natürlich auch sonst starker Text.
    Ich meine mich an einen Text in der FAZ oder FAS von Leo Fischer zu erinnern, in dem er schrieb, dass er in der Schule 3x sitzenblieb. Ist schon ein hartes Leben…

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  2. Pingback: Markierungen 11/04/2014 - Snippets

  3. Julia Seeliger

    Hallo Mela,
    selbst unsere konservative Lokalpresse berichtet informierter als dieser hochkarätige Autor. Und wenn man sich ansieht, wer das so rumreicht, dann kann einem schlecht werden. Missgunst, Häme.

    Liebe Grüße,
    Julia

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  4. Aspergirl

    Danke, Mela. Niemand kann das so gut wie Du. Ich bin noch immer wörtlich sprachlos, wenn Leute sich so ausk… und Redakteure so was durchgehen lassen. Danke.

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  5. Tanja

    Gratulation für diesen Artikel. Ich finde es immer wieder schwer, mich nicht von Wut überwältigen zu lassen, wenn Texte wie der von Leo G. Fischer abgedruckt werden. Dein Artikel trifft einfach den Kern dieser ganzen Aktion, ist reflektiert und intelligent, ohne Zornesrede und/oder Missgunst. Danke dafür.

    Reply
  6. Idahoe

    Hallo Mela,

    ich denke, daß, wie so oft, einfach alles in einen Topf geworfen und umgerührt wird. Ist es nicht bereits der falsche Ansatz, zu fragen nach dem „Normalsein“?

    Was ist den Normal? Ist in einer Welt, die sich ständig verändert, nicht die Veränderung normal?
    Wie kann ein Idealbild des Menschen denn erkannt werden?

    Gar nicht, weil es dieses nicht gibt. Der Einheitsbrei der Optimierung, wo niemand wissen kann, was denn das Optimum überhaupt ist. Die Menschen sind auf der Suche nach dem Sinn, völlig überfordert vom Anspruch an sich selbst. Sicher ist der Begriff Autismus hier nicht angebracht, in der Betrachtung des Massenphänomens der Selbstvermarktung ist dies auch nicht erforderlich, denn es ist der Verlust des Einfühlungsvermögens, des Verstehens, des Verstandes.
    Alles dreht sich nur um das ÜBERICH, der NEID auf das andere ICH, gehört dazu. Dier beschriebene Gefühlskälte ergibt sich aus der bedingten Verhaltensweise. Da sich der Mensch auch selbst stetig verändert, ist er sich selbst fremd, frei nach Arno Gruen. Der Verlust des Einfühlungsvermögens ist auch der Verlust an das „selbst“. Der emotionalisierte Mensch ist nicht in der Lage zu fühlen:

    Ständig soll der Mensch nach dem Leitbild des rationalen homo oeconomicus alles mögliche bewerten, dabei wird übersehen, daß das WERTEN ein rein emotionaler Vorgang ist.
    Der ideale rationale Mensch ist tatsächlich auf dem Wege zum emotionalen Vollpfosten. Das ist auch gewollt, denn der Mensch ist nur über seine Emotionen manipulierbar, nicht über den mitfühlenden Verstand.
    Immanuel Kant hatte leider nicht den Mut sich des eigenen Verstandes zu bedienen und erhob die Vernunft, die Ratio, über den Verstand. Der Tod des Mitgefühls.

    Bedauerlich ist der Mißbrauch des Begriffes Autismus. Das neoliberale Selbstbild erzeugt einen künstlichen Effekt, der dem Autismus ähnelt. Gerade in der Piratenpartei gab und gibt es auch einige Beipiele hierfür:
    Ein Kreisklasseschiedsrichter, der sich selbst für Weltklasse hält und sein eigenes Mobbing-Verhalten als „sozial“ wahrnimmt? Dafür wurde er von vielen auch noch abgefeiert. Hier in BaWü gab es auch den einen oder anderen, der sich selbst nicht im Griff hatte, aber in einer entsprechenden Machtposition kräftig austeilte, was er zuvor bemängelte. Da stellt sich durchaus die Frage, was mit den Menschen nicht stimmt.

    Was ich sagen möchte, keiner sollte die dringend erforderlichen Diskussionen an Begriffen aufhängen. Weise selbstverständlich auf die erforderliche Unterscheidung hin, aber bedenke bitte, daß es auch dazu führen kann, daß die Diskussionen abgewürgt werden. Das kann nicht im Interesse aller sein, schon gar nicht für den Autismus.

    Wenn Du möchtest, können wir uns gerne mal wieder ausführlicher unterhalten.

    Gruß

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    1. Mela Eckenfels

      “das neoliberale Selbstbild erzeugt einen Effekt der dem Autismus ähnelt“. Du willst sehr hart darüber nachdenken, ob du das so stehen lassen willst, denn ich werde gerade sehr wütend.

      Reply
      1. Idahoe

        Das tut mir leid, wenn ihr es nicht hinbekommt euch NICHT zu WERTEN, dann werdet ihr mit eurer WUT leben müssen.

        Sprache wird gebraucht und die Bedeutung wird zugewiesen.

        Das bedeutet IHR seid es SELBST die den Autismus wertet. Genau darum ging es.

        Reply
      2. Idahoe

        Noch ein Versuch, war etwas zu emotional meinerseits:

        Sie ziehen sich zurück, kapseln sich „autistisch“ ab – daher der Name!
        http://w3.autismus.de/pages/startseite/was-ist-autismus.php

        Autisten, mit denen ich zu tun habe, bzw. hatte, haben meine Sicht bis dato nicht verurteilt, bzw. hat sie auch nicht wütend gemacht. Du weißt sicher selbst, daß es nicht den Autismus an sich gibt.

        Das ist mein Bezug, das kannst Du gerne kritisieren. Einem anderen Menschen zu unterstellen, daß er abwertet, ist?

        Ich WERTE Menschen grundsätzlich nicht, ein Vergleich ist keine Wertung. Ich kann gar nicht beurteilen, ob ein anderer Mensch besser oder schlechter ist, dazu benötige ich immer einen Bezug. Selbst dann ist nur das Verhalten, aber nicht der Mensch selbst gemeint.

        Alles hat seine Konsequenzen. Wenn Du den Effekt bestreitest, ok, dann werden dies auch künftig Kinder auszubaden haben. Den Verlust des Einfühlungsvermögens ist in meinen Augen sehr ernstzunehmen, auf Arno Gruen hatte ich hingewiesen. Du kennst seine Bücher nicht, sonst hättest Du den Zusammenhang wahrscheinlich erkennen können. Das kann ich nur feststellen.

        Mit DER hat Jehova gesagt, steinigt ihn, wird sich sicher nichts ändern.

        Arno Gruen
        http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/170119/index.html
        http://www.youtube.com/watch?v=O0g6DvI56pg

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    2. Anita

      Ich frage mich gerade, ob Du auch nur ansatzweise verstanden hast, wogegen die Kritik von Mela sich gerichtet hat.

      Wir reden davon, dass Autismus NIEMALS als Bewertung für Aktionen von Menschen gebraucht werden darf, die in irgendeiner Weise egoistisch oder die Menschlichkeit abertend handeln. Und wie das korrekte Label für solche Menschen lautet oder die entsprechende Diskussion dazu, ist hier fehl am Platze.

      Denn das ist nicht Autismus.

      Mela kritisiert den falschen Wortgebrauch. Unabhängig von irgendeiner Philosophie oder Darstellung. Ich bitte Dich, dies zu respektieren.

      Reply
      1. Idahoe

        Nun, ich verstehe sehr wohl, nur scheint es schwierig zu sein, eine andere Persektive auch nur ansatzweise vermitteln zu können.

        Ich kritisiere, daß IHR hier die wertenden seid, denn für mich, hat dies nichts mit Wertung zu tun.
        Verhaltensweisen als gottgegeben darzustellen ist doch hier dem LESER und nicht dem Schreiber überlassen…

        Respekt hat bei mir JEDER Mensch, trotz allem muß ich nicht alles akzeptieren. Deswegen ist Schriftform auch nur bedingt geeignet, es schränkt die Kommunikation erheblich ein.

        Etwas anderes sage ich auch nicht.

        Ansonsten stellt sich die Frage, was den ein falscher Wortgebrauch denn ist und wer den festlegt. Es geht wie so oft um Deutungshoheit. Die lehne ich grundsätzlich ab. Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich zu tun und was ich zu lassen habe. Gernen kann darüber ein DIALOG geführt werden. Eure Art des Umgangs hat nichts mit Dialog zu tun.

        Ich fühle mich hier übrigens von euch angegriffen und aus meiner Sicht zu Unrecht.

        Richtig/Gut/Recht und Falsch/Böse/Unrecht ist NICHT objektivierbar.

        Reply
      2. Idahoe

        Im übrigen ist Dein ad-hominem-Argument nicht sachlich. Respekt ist etwas völlig anderes als Akzeptanz.
        Weshalb sollte ich Mela nicht respektieren, weil ich ihre Sicht nicht in Gänze akzeptiere?
        Wo steht bei mir etwas von Egoismus? Oder mal nur schnell hineininterpretiert? Was hat eine Betrachtung der Konsequenz, mit einem Label zu tun?

        Was ist Autismus?
        Wäre mir neu, daß es diesen „an sich“ gibt.

        Mela kritisiert nicht, sie setzt sich nicht mit dem Argument auseinander, sie ist einfach nur wütend, statt einfach nachzufragen, wie es gemeint ist.

        Dein Beitrag ist nur die Unterstützung Melas in ihrer Wut.

        Reply
        1. Anita

          Ich habe jetzt eine Weile überlegt, um nicht angreifend zu antworten.

          1. Du stellst die Auslegung eines Textes in die Verantwortung des Lesers

          Ich stelle dem gegenüber die Verantwortung eines Journalisten / Autors.

          Dieser geht eine Verantwortung gegenüber eine Personengruppe ein (ob er wil oder nicht). Und wenn der Verfasser es billigend in Kauf nimmt, dass eine Personengruppe (hier Autisten) mit verantwortungslosen oder gewollt „hippen“ Menschen gleichgesetzt wird (in der Interpretation des Lesers), dann wird er seiner Verantwortung nicht gerecht.

          2. Du kritisierst meine Auffassung von Respekt

          Wenn ich es als kritisch empfinde, dass ein schriftlich agierender Mensch, Begriffe falsch nutzt, dann darf ich dazu meine Meinung kund tun.

          Dies hat Mela hier getan.

          Ich habe Deinen Beitrag dazu so gelesen, dass sie dadurch eine Wertung vorgenommen hätte, die ihr nicht zustehen würde.

          Und dagegen habe ich mich gewehrt. Denn ich empfinde es als durchaus wichtig, dass man sich falsche Begriffsverwendung wehrt.

          Das in der Presse falsch gezeichnete Bild von Autismus, begegnet mir tagtäglich und es ist zum Schaden meiner autisitschen Kinder!

          Zitat: „Ansonsten stellt sich die Frage, was den ein falscher Wortgebrauch denn ist und wer den festlegt. Es geht wie so oft um Deutungshoheit.“

          Autismus und die damit einhergehenden Schwierigkeiten dadurch in Misskredit zu bringen, dass man die Schwierigkeiten herabwürdigt, finde ich kritisch!

          Und das hat Herr Fischer getan.

          Und der interpretierende Leser wird autistischen Menschen mit noch größerem Argwohn als bisher begegnen. Besonders, wenn er auf gut kompensierende Autsiten trifft. Denn er wird nur das „Jetzt-Bild“ erkennen und nicht, was diese Begegnung bei dem Autsiten auslöst (auslösen kann) und nicht das, was sich dann an Aufarbeitung zu Hause für den Autisten noch zusätzlich ergibt.

          Denn selbst wenn meine Kinder es im Schulalltag irgendwie schaffen, nur minimal aufzufallen; so sind ihre Kraftreserven völlig aufgebraucht, wenn sie nach Hause kommen. Fallen in große Löcher. Brauchen sehr viel Zeit zum runterkommen. Sind zum Teil tagelang nicht ansprechbar. Fallen (sobald die Haustür sich schließt) in den Overload, ins Stimming oder liegen kreischend am Boden.

          Aber das sieht der „Otto-Normal-Leser“ nicht, wenn er meine Kinder auf der Straße trifft.

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  9. Angelika

    Hallo Mela,

    bei uns im Team haben wir auch Leo Fischers Text diskutiert und zumindest ich persönlich kann mich nur wundern (und ärgern), wie er so unterschiedliche Konzepte völlig zusammenhanglos vermischen kann.

    „Bei uns im Team“ meint, dass wir seit kurzem im Unternehmen zwei autistische Kollegen haben und mit ihnen gemeinsam versuchen, Vorurteile gegenüber Autisten abzubauen. Eben weil es – anders als es Fischer darstellt – gerade in der Berufswelt extrem schwer für Autisten ist. Das bestätigen nicht nur unsere neuen Kollegen mit ihren Erfahrungen die sie gemacht haben, bevor sie bei uns waren, sondern auch die autWorker, mit denen wir in engem Kontakt stehen.

    In unserem Firmenblog haben wir jetzt erstmals über die neuen Kollegen berichtet (http://blog.vhhbus.de/2014/11/10/was-hat-die-vhh-mit-dem-a-team-zu-tun/) und hoffen, zum einen damit Autisten Mut zu machen, dass es Firmen gibt, die offen für Talente sind, auch wenn man sie eben nicht auf den ersten Blick erkennt. Und wir hoffen natürlich, dass auch mehr Firmen sich trauen, offener zu sein. Denn wie du schreibst: „Ein paar nette Artikel über Auticon, SAP und andere“ ist noch lange kein „Erfolgsmodell“. Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt ist mehr als verbesserungswürdig und lassen solche Beiträge wie den von Fischer um so realitätsfremder wirken.

    Viele Grüße, Angelika

    Reply
  10. Jens

    Info am Rande: Inzwischen sind sich einige Forscher sicher, dass es nicht lediglich die Autisten sind, die ‘Schuld’ daran haben, dass die Kommunikation zwischen Autisten und Nicht-Autisten schief geht, sondern dass Nicht-Autisten Körpersprache und Mimik von Autisten ebenso schlecht und fehlerbehaftet lesen können, wie umgekehrt.

    Kannst Du die Quelle präzisieren?

    Reply
    1. Mela Eckenfels

      Nein, leider nicht aus dem Handgelenk. Ich habe schon an mehreren Stellen darüber gelesen und ich bilde mir ein, es wäre auch auf Auticare-Symposium im vergangenen Jahr Thema gewesen. Zumindest ging es dort darum, dass Schmerzäusserung von Autisten häufig nicht ernst genommen wird, weil sie nicht die richtigen oder nicht ausreichend Signale senden, bzw. die eben von den Behandelnden nicht erkannt werden.

      Das hatten wir mal in einem Podcast nachgefasst: http://podcast.realitaetsfilter.com/rf010/

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